Nordeifel

Aus KletterWiki
Wechseln zu: Navigation, Suche

Die Eifel ist eine Landschaft des linksrheinischen Schiefergebirges. Die Nordeifel ist - wie der Name schon sagt - der nördliche Teil davon. Aufgrund der landespolitischen Abgrenzung ist die Nordeifel gleichzeitig weitgehend deckungsgleich mit dem nordrhein-westfälische Anteil an der Eifel. Die Nordeifel umfasst das Vennvorland bei Aachen, das Hohe Venn bei Monschau, die Rureifel südlich Dürens und Teile der nördlichen Kalkeifel bei Nettersheim. Im Westen geht die Nordeifel auf belgischem Gebiet nahtlos in die Mittelgebirgslandschaft der Ardennen über.

Unter dem Begriff Klettergebiet Nordeifel werden heute maßgeblich die Buntsandsteinfelsen entlang der Rur zwischen Kreuzau und Heimbach im Kreis Düren verstanden.

Darüber hinaus existieren in der Nordeifel zahlreiche Top-Secret-Spots im Sandstein, im Kalk und im Quarzit. Einige dieser Top-Secret-Spots sind seit der Herausgabe des Boulderführers "Eifel en bloc" 2004 nicht mehr so secret und entsprechend frequentiert, so beispielsweise die Katzensteine und der Kartstein (Kakushöhle) bei Mechernich.

Nicht verschwiegen werden sollte allerdings, dass aufgrund dieser Publikationen (Buch, Internet) die Kletterverbotsdiskussion bzgl. dieser Felsen erneut angezettelt wurde.

Die Buntsandsteinfelsen im Rurtal / Kreis Düren[Bearbeiten]

Das mittlere Rurtal in der Nordeifel ist eines schönsten und fazinierensten Klettergebiete im Nordwesten Deutschlands. Sowohl landschaftlich wie auch klettersportlich ist das Felsenensemble über der mittleren Rur von Untermaubach (Gem. Kreuzau) bis Hausen (Gem. Heimbach) einmalig. Die Felsen bestehen – untypisch für das Rheinische Schiefergebirge – aus roten Sandsteinen und Konglomeraten des Buntsandsteins. Der Buntsandstein ist eine Gesteinsformation des Erdmittelalters (Mesozoikum) und ist in Deutschland im Hessischen Bergland, Spessart, Odenwald und Pfälzer Wald weit verbreitet.

Sportkletterszene der 80'er[Bearbeiten]

Das Rurtal in der Nordeifel gehörte in den 80'er bis Anfang der 90'er Jahren zu den Hot-Spot-Gebieten des Sportkletterns in Deutschland. Die Eifel beherbergte gleichberechtigt neben Pfalz, Frankenjura und Ith eine außerordentlich lebendige Sportkletterszene. Heute jedoch ist das Klettergebiet Nordeifel aufgrund der umfangreichen Felssperrungen Ende der 90'er Jahre nur noch ein noch Torso und die Eifelszene verschwunden.

Heute organisieren (nach 20 Jahren) Ehemalige Oldie-Treffen im Rurtal.

Eine bis in die heutige Zeit wirksame Szenenliteratur - vergleichbar der eines Malte Roepers ("Als Freeclimbing noch Freak-Climbing war") oder der eines Peter Brunnerts ("Hartwig - Die Szene am Ithzeltplatz Anfang der Achtziger") - hat die Sportkletterszene der Nordeifel nie hervorgebracht. Ansätze waren jedoch durchaus vorhanden wie die Texte von Florian Schmitz ("Von Cerberus, Strohmann und Honk - Die Geschichte des Kletterns im Rurtal" im Kletterführer Nordeifel 1994) und in Besonderheit die von Martin Joisten ("Runde Sache" in ROTPUNKT 05/1990 oder "Gedanken eines alten Sacks?!" in climbing.de 03.12.00) zeigen.

Das legendäre Sportklettermagazin Boulder - 1981 von Thomas Ballenberger und Hans Diefenbach gegründet - war mit Hans Diefenbach in der nordeifler Sportkletterszene verwurzelt. Allerdings kam das (der?) "Boulder" nie über die dritte publizierte Ausgabe hinaus.

Fotos aus der damaligen Sportkletterszene lassen sich heute in der Routendatenbank Nordeifel von Martin Joisten (climbing.de) recherchieren.

Kletterstil[Bearbeiten]

Der Buntsandstein ist im Rurtal besonders stark verfestigt, so dass hier der Sandstein über der Rur bei Nideggen bis zu 50 Meter hohe senkrechte Felsklippen, -türme und -wände bildet. Durch die Verfestigung ist der Buntsandsandstein im Rurtal außerordentlich standfest und für den Klettersport in besonderer Weise geeignet.

Die Nordeifel erfordert einen eigenen Kletterstil. An den kompakten, grob strukturierten Felsen werden in der Regel die durch die Verwitterung herauspräparierten Gerölle als Griffe und Tritte genutzt. Dies erfordert - besonders in höheren Schwierigkeitsgraden - eine hohe Maximalkraft und Kraftausdauer der Finger. Die notwendigen Techniken stellen eine Mischung aus Griff-, Tritt- und Reibungskletterei dar. Auch Risstechniken müssen beherrscht werden.

Abgespeckte Routen gibt es kaum. Nach Regen können innerhalb kürzester Zeit alle frei stehenden Routen wieder begangen werden. In schattigen, bewaldeten Bereichen kann sich allerdings - besonders nach längeren Regenperioden - die Feuchtigkeit recht lange halten.

Vergleichbare Klettergebiete existieren nur in Spanien (Montserrat) und Griechenland (Meteora).

Reglementierungen[Bearbeiten]

Das Klettern an den Buntsandsteinfelsen des Rurtales ist gegenwärtig nur an einigen wenigen Felsen in der Form des sog. reglementierten Kletterns erlaubt.

Die Erlaubnis des Kletterns an den wenigen freigegebenen Felsen ist im Rurtal mit dem Erwerb eines Klettertickets (max. 120 Tickets pro Tag) verbunden. Die Verkaufsstelle für die Klettertickets ist die ARAL-Tankstelle an der zentralen Straßenkreuzung in Nideggen. Der Erwerb des Klettertickets wird von beauftragten Personen am Fels kontrolliert. In der Tankstelle ist auch ein Merkblatt (deutsch bzw. niederländisch) erhältlich.

Anreise[Bearbeiten]

Das Klettergebiet Nordeifel gehört zu den wenigen Klettergebieten in Deutschland die in hervorragender Weise via öffentlicher Verkehrsmittel erreichbar sind - und damit auch für Jugendliche ohne elterliche Taxidienste erreichbar ist. Aus Richtung Köln oder Aachen kommend steigt man in Düren Hbf in die stündlich verkehrende Rurtalbahn in Richtung Heimbach um. Ziel ist die Haltestelle Nideggen-Brück. Von hier wandert man nach Nideggen steil den Berg hinauf. Der Standort der Verkaufstelle für die Klettertickets (Tankstelle) ist allerdings für öffentlich Anreisende mit ziemlichen Umweg verbunden.

Für mit dem PKW anreisende Kletterer ist die ARAL-Tankstelle erster Anlaufpunkt (Kletterticket). Um zu den Felsen zu gelangen bieten sich im wesentlichen drei Startpunkte an:

  • Parkplatz Zülpicher Tor am südlichen Rand der Nideggener Altstadt für die Felsgruppe des Effels
  • Parkplatz Danzley am nördlichen Rand der Nideggener Altstadt für den Fels Hirtzley
  • Parkplatz Rath an den Sportanlagen von Nideggen-Rath für die Felsen Hinkelstein I-IV.

Siehe Karte der Stadt Nideggen.

Die Felsgruppe des Effels ist aufgrund der Vielfältigkeit der Routen und auch wegen der Nähe zur historischen Altstadt Nideggen besonders beliebt. So lässt sich hier jederzeit ein Apres-Climb in oder vor der Eisdiele Alpi in Nideggen zur Auffüllung der Energiereserven einschieben. Die Felshöhen im Effels sind mit bis 20 Metern allerdings relativ bescheiden. An sonnigen und warmen Wochenenden ist hier immer reger Betrieb. Vom Affenfels hat man einen sehr schönen Blick auf die Burg Nideggen und die Felsen der Burgwand.

Die Hirtzley ist nördlich der Stadt in einem Seitental der Rur verborgen (und wird von der von Nideggen-Brück heraufziehenden Landstraße eindrucksvoll beschallt), weist aber mit gut 45 Metern eine der höchsten Felshöhen im Rurtal auf. Hier ist an den langen Routen für eine sichere Umlenkung mindestens ein 60-m-Seil erforderlich. Das Abseilen/Ablassen über das Seilende ist (siehe Pit Schubert: "Sicherheit und Risiko in Eis und Fels") für die Hirtzley ein ganz typischer Unfall - und sollte unbedingt vermieden werden (durch Knoten im Seilende).

Die Hinkelsteine I-VI werden besonders von Sportkletterern der schärferen Richtung bevorzugt. Sie sind in einem Hangwinkel unterhalb von Nideggen-Rath recht abseits gelegen, aber durch eine Forststraße direkt erschlossen. Es kann also durchaus vorkommen - falls Euer/e Sicherungsmann/frau das eingeholte Seil allzu großzügig über die Forststraße ausbreitet, dass Radfahrer und/oder Spaziergänger zwangsläufig über die ausgebreiteten Seilschlingen fahren / latschen müssen.


Links[Bearbeiten]